Die Kunst, jemanden bewusst falsch zu verstehen.
03.03.2022 //
In meiner „Abschiedsrede“ vor dem Gemeinderat habe ich bei der öffentlichen Sitzung im Februar ein Statement abgegeben, das so gelautet hat:
„Ich wünsche dem neuen Gemeinderat, dass er künftig mehr Verantwortungsträger und weniger Bedenkenträger hat; dass er mehr Mitglieder hat, die zuhören können und einen offenen Geist haben, und weniger Leute, die ihre Berufung darin sehen überall dagegen sein zu müssen; dass er Mitglieder hat, die Menschen auch wirklich mögen und nicht mit Hass versuchen unsere Gesellschaft zu spalten. Und allen, die mich hier ganz besonders „mögen“ und mir ja immer soooo gerne zugehört haben, denen sage ich es in Anlehnung an Paulchen Panther – ihr wisst, ich bin ja ein Vereinsmensch und ich sterb ja auch nicht übermorgen – „Heute ist nicht aller Tage, ich bleib schon da, gar keine Frage“.“
Abgesehen davon, dass die freie Rede immer etwas auslässt, das man im geschriebenen Text noch hinzufügen würde, habe ich diese Botschaft als etwas Versöhnliches gesehen und auch so hinterlassen wollen. Mein Wunsch war – am Ende einer kontroversiell geführten Gemeinderatssitzung mit hitzigen Diskussionen -, dass in der nächsten Periode mehr das engagierte Miteinander herrscht, als es in der vergangenen Periode der Fall war. Und natürlich habe ich mir einen Seitenhieb nicht verkneifen können, an jene gerichtet, denen ich politisch immer schon ein Dorn im Auge war, dass ich auch künftig im Ort vorhanden sein und nicht verstummen werde. Durchaus habe ich mit dem abgewandelten Paulchen-Panther-Zitat dabei schon auf diesen Blog angespielt. Meine Botschaft: mit mir müsse man auch in Zukunft rechnen, aber eben nicht als Gemeindepolitiker, sondern Beobachter.
Das Interessante ist, dass sich manche über mein Statement so geärgert haben dürften, dass sie bewusst anderen Menschen versucht haben einzureden, ich hätte mit dem Paulchen-Panther-Zitat den Gemeinderat und seine Arbeit herabwürdigen wollen, indem ich ihn als „Comic“ verunglimpfe. Einmal abgesehen davon, dass ich nicht ausschließen will, dass manche vergangene Gemeinderatssitzung und das diverse Auftreten mancher Mandatare sicherlich den unbeteiligten Zuseher an die eine oder andere Comic-Figur erinnert haben wird, wäre ich allerdings nicht auf die Idee gekommen, ein demokratisch gewähltes Gremium als „Comic“ zu verstehen oder auch nur in Ansätzen etwas derartiges gemeint zu haben. Wer sich mein Statement oben noch einmal ansieht, wird den Kontext noch einmal klar sehen, und käme auch nicht auf die Idee, mir so etwas zu unterstellen.
Fragen wir uns also, wieso jemand das Paulchen-Panther-Zitat aus seinem Kontext reißt und mir versucht eine Abwertung des Gemeinderates unterzujubeln:
- Wie der Schelm denkt… – Wer mir unterstellt, ich würde den Gemeinderat für ein „Comic“ halten, gehört in den meisten Fällen zu jener Personengruppe, die selbst schon einmal so einen Gedankengang im Kopf gehabt haben. Es ist immer leichter, jemandem etwas zu unterstellen, wenn man es im eigenen Hinterkopf hat.
- Empörung über den ersten Teil meiner Rede. Die Leute, die gegen mich zu Felde ziehen, sind jene, die sich vom ersten Teil meiner Ansprache angesprochen fühlten. Natürlich wird mir niemand widersprechen und für sich in Anspruch nehmen, wie toll er die Spaltung der Gesellschaft findet, er sie ja selbst gerade eben so betreibt, lieber nirgends mitarbeitet, sondern nur kritisiert und gegen etwas stimmen will, weil’s von der anderen Fraktion kommt. Auch wird niemand behaupten, er fühle sich ausgegrenzt, weil ich mir für die Mitglieder des Gemeinderates einen offenen Geist wünsche. Dennoch könnte der eine oder andere auf die Idee gekommen sein, die Worte wären zielgerichtet auf ihn abgefeuert worden – was aber gar nicht meine Absicht war. Um mich also in der Öffentlichkeit, vor allem bei den Leuten, die nicht bei der Sitzung waren, anzuschwärzen, wird der zweite Teil meiner Aussage herangezogen und verdreht.
- Die Angst vor der Botschaft. Wer gehofft hat, mich endlich „los zu werden“, ja vielleicht sich wünscht ich würde ganz aus der Gemeinde verschwinden, mich nie mehr blicken lassen, der ist durch meine Worte natürlich gewarnt. Denn ich gehe nicht weg und ich werde auch weiterhin als Gemeindebürger aufmerksam verfolgen, was sich in der Ortspolitik tut. Wer sich darum sorgt, dass vielleicht viele Leute das lesen werden, was ich zu kommentieren versuche, der geht schon einmal präventiv gegen mich vor und versucht „den Boten in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, um die Botschaft zu verhindern“. Nur so funktioniert die Welt halt nicht, zumindest nicht mehr im 21. Jahrhundert. Den Mund (bzw. das Geschreibe) verbieten, das lasse ich mir sicher nicht – und schon gar nicht von jenen, die versuchen gegen mich hinterrücks zu intrigieren.
- Mangelnde kognitive Fähigkeiten. Der Vollständigkeit halber erwähne ich auch noch diese Möglichkeit, warum mich jemand hinterrücks ausrichtet, auch wenn ich ausdrücklich betonen möchte, dass ich das nicht als Hintergrund für die Attacke gegen mich betrachte. Es würde bedeuten, dass derjenige, der die Behauptung verbreitet, ich würde den Gemeinderat als „Comic“ betrachten, nicht ordentlich konzentriert zuhören und nicht sinnerfassend verstehen kann, was ich gesagt habe. Wie gesagt, dass das der Grund ist, schließe ich aus, ich erwähne es nur, damit die Aufzählung von möglichen Hintergründen vollständig ist.
Ich schreibe diesen Eintrag nicht deshalb, weil ich mich kränke, wenn jemand mich absichtlich missverstehen will. Ich möchte vielmehr an einem einfachen wie aktuellen Beispiel aufzeigen, wie Kommunikation funktioniert und wie das bewusste Verwenden eines authentischen Zitates in einen falschen Zusammenhang gesetzt als Waffe in einer politischen Auseinandersetzung (auch „Wahlkampf“ genannt) instrumentalisiert werden kann und warum.
Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei jenem Listenmitglied einer der kandidierenden Gruppen bedanken, das mich auf dieses Gerede und die kursierende Interpretation meiner Aussage hingewiesen hat. Denn nur so können boshafte Gerüchte eingefangen werden, indem derjenige, über den sie verbreitet werden, von deren Existenz Kenntnis erlangt.